Farben sprechen ihre eigene Sprache, sie erschaffen Welten, erweitern Horizonte, beeinflussen die Stimmung und berühren. Nirgendwo ist dies so entscheidend wie im Gesundheitswesen, wo Patienten, Angehörige und Mitarbeiter gleichermaßen ein breites Spektrum an Emotionen erleben – von Angst und Unsicherheit bis hin zu Hoffnung und Erleichterung. Die Gestaltung und Farbpalette einer Gesundheitseinrichtung spielen eine subtile, aber wichtige Rolle für das Patientenerlebnis und den Heilungserfolg, die Leistungsfähigkeit des Personals und die allgemeine Funktionalität.
Gezielt eingesetzt, kann Farbe dazu beitragen, Ängste abzubauen, die Patientenzufriedenheit zu steigern und sogar zu effizienteren klinischen Arbeitsabläufen beizutragen. Falsch eingesetzt, können die unpassenden Farben jedoch Stress verstärken, die Orientierung erschweren und ohnehin schon schwierige Situationen noch isolierender wirken lassen.
Dieser Artikel beleuchtet die Wirkungsweise der Farbpsychologie im Gesundheitswesen und erklärt, was Designer, Verwaltungsangestellte und Architekten im Gesundheitswesen über die Wirksamkeit von Farben und deren Grenzen wissen sollten.

Das Gesundheitswesen ist naturgemäß mit hohem Stress verbunden. Patienten sind oft ängstlich oder leiden unter Schmerzen, und das Personal muss enge Zeitpläne, emotionale Belastung und körperliche Erschöpfung bewältigen. In diesem Kontext ist jede Designentscheidung – einschließlich der Farbwahl – von Bedeutung.
Farben haben eine psychologische Wirkung auf Menschen, indem sie Emotionen und Stimmungen in uns auslösen. Sie können in ihrer Wirkung beruhigen oder anregen, die Konzentration fördern oder zu unserer menschlichen Orientierung beitragen.
Jede Farbe hat eine andere Wirkung, denn jeder Farbton besitzt seine eigene Wellenlänge und Energie, die sich auf unseren Körper, unser Denken, Fühlen und Handeln übertragen. Dabei ist das individuelle Farbempfinden laut Farbpsychologen in der Farbpsychologie abhängig vom Kulturkreis, von Erfahrungen und Denkmustern sowie Instinkten.
Farbe ist ein atmosphärischer Umweltfaktor, der uns müde, lustlos und krank machen kann oder auch wach, aktiv und gesund. Studien zeigen, dass bestimmte Farben Herzfrequenz, Blutdruck und Stresslevel beeinflussen können (Quelle: National Library of Medicine). Eine weitere Studie, die 2019 an der Klinik für Intensivmedizin am Helios-Universitätsklinikum Wuppertal durchführt wurde zeigt, welchen Einfluss die Farbgestaltung von Intensivstationen auf das Wohlbefinden, den Gesundheitszustand und Medikamentenverbrauch der Patienten hat. Befragt wurden Patienten vor und nach Renovierungsmaßnahmen. Das Ergebnis: Wohlbefinden und Gesundheitszustand stiegen mit der neuen Farbgestaltung um 62,7 Prozent, der Medikamentenverbrauch sank im Durchschnitt um 30,1 Prozent (Quelle: MT im Dialog).

Wir nehmen Farben nicht nur optisch wahr. Über lichtempfindliche Hautsensoren nimmt der Körper sie auch direkt auf – und reagiert auf sie. So greifen Farben, vom klaren Denken weitgehend unkontrolliert, massiv in biochemische und biophysikalische Prozesse des menschlichen Körpers ein, beeinflussen Herzschlag, Puls sowie Atemfrequenz und erhöhen oder senken den Blutdruck.
| Farbe | Wirkung |
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Rot wird als warm empfunden. In der Regel fühlen Menschen sich wohl, wenn sie von roten Tönen umgeben sind. Weil die Farbe aber ebenso Gefahr signalisiert, steigert Rot auch die Aufmerksamkeit für Details. Die Farbenlehre in der Malerei schreibt Rot zudem die Eigenschaften Kraft, Lebensfreude und Dynamik zu. Ein roter Blickfang im Zimmer, wie eine rot gestrichene Wand, gibt Energie und steigert die Ausdauer. |
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Die Farbe Violett kann zart und pastellig, aber auch kraftvoll und prächtig wirken und sorgt für Vitalität, Sinnlichkeit und Lebenslust. Dabei steckt die Farbe voller Gegensätze, da sie Widersprüche wie Wärme und Kälte, Nähe und Ferne, Helligkeit und Dunkelheit auf sich vereint. Deshalb erscheint Violett oft rätselhaft und hintergründig. |
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Schwarz wirkt im Gesundheitswesen häufig bedrohlich, oft auch dramatisch. Wo Weiß als Symbol des Guten und Wahren dient, kennzeichnet Schwarz das Böse und die Trauer. Und weil viele Menschen sich in einer lichtlosen Welt hilflos und verletzbar fühlen, löst das Dunkle oft Erregung und die Gefühle Unsicherheit und Angst aus. Schwarze Kleidung kann darum unbewusst Schutz vor ungewollter Nähe bieten. Erzeugt die Farbe beim Betrachter doch den Eindruck von Abkehr und unüberwindbarer Distanz. |
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Grau ist die Symbolfarbe der Dämmerung, ein Naturphänomen, das zwischen der Helligkeit des Tages und der nächtlichen Dunkelheit vermittelt. Ebenso ist es die Farbe, die man wahrnimmt, wenn man für einen Augenblick die Augen schließt. Grau wirkt beruhigend, harmonisierend und ausgleichend. |
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Die Farbe Gelb stärkt gleichermaßen das Selbstvertrauen wie auch die Risikofreude. Studien aus der Experimentalpsychologie zeigen zudem, dass Gelb Ängste hemmt und wohlige Gefühle erzeugt. So schrieb schon Johann Wolfgang von Goethe: „So ist es der Erfahrung gemäß, dass das Gelbe einen durchaus warmen und behaglichen Eindruck mache. Das Auge wird erfreut, das Herz ausgedehnt, das Gemüt erheitert, eine unmittelbare Wärme scheint uns anzuwehen.“ |
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Die Farbe Grün steht für Wachstum und Entfaltung, ganz gleich, ob es sich dabei um einen Menschen, ein Tier, eine Pflanze oder eine Idee handelt. Grün ist eine lebensbejahende Farbe, die Glückshormone auslöst. Grün motiviert zu dem, was man gerade tut. Bereits ein grünes Kissen zu Hause erzielt diese Wirkung. |
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Das ist die Farbe des Lichts, denn das Farbwort Weiß lässt sich in vielen Sprachen der Welt auf Naturphänomene wie Licht, Helligkeit und Glanz zurückführen. Vermutlich hat jeder mehr als einmal gebannt dem Weiß der Wolken zugeschaut, die schwerelos vor dem grenzenlosen Blau dahinziehen. Weiß symbolisiert Reinheit, Leichtigkeit und Frieden. Wenn es hell wird, schwinden auch die Ängste. |
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Braun ist die Farbe der Natur. Sie ist das Symbol des Erdbodens und steht darum für Standfestigkeit. So wird Braun mit Geborgenheit, Sicherheit, Stabilität, Behaglichkeit und Verlässlichkeit assoziiert. Es ist daher kein Zufall, dass man sich gerne auf naturbraunen Böden bewegt. Will man sich doch mit jedem Schritt darauf verlassen können, dass der Boden unter den eigenen Füßen berechenbar bleibt. |
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Rosa wirkt zart und verletzlich. „Mono no aware“ ist ein japanischer Ausdruck für die Vergänglichkeit der Schönheit, die zu Beginn der „rosafarbenen Zeit“ mit dem Kirschblütenfest gefeiert wird. Überall erfreuen sich Menschen dann am blühenden Leben und Verbinden die Farbe deshalb auch mit Reinheit, Schönheit und Glück. |
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Die Farbe Blau wirkt sich in zweierlei Hinsicht auf das menschliche Wohlbefinden aus. Die physiologische Wirkung von Blau ist Ruhe. Die Psychologische wird am besten mit Zufriedenheit umschrieben. In diesem spannungslos harmonischen Zustand wird die Kreativität angeregt und die Leistungsfähigkeit gesteigert. |
Quelle: AOK Gesundheitsmagazin
Bei der Gestaltung von Gesundheitseinrichtungen müssen Farben die Funktion der Einrichtung unterstützen: die Heilung fördern, Stress reduzieren, Klarheit und Kommunikation erleichtern und Umgebungen schaffen, in denen sich Patienten und Mitarbeiter sicher und unterstützt fühlen.
Sanfte Blau- und Grüntöne eignen sich z.B. besonders gut für Patientenzimmer, Wartebereiche und Flure. Blautöne werden mit Ruhe, Vertrauen und Stabilität assoziiert – ideal also für Räume, in denen Patienten nervös oder verletzlich sind. Grün, oft mit Natur und Erneuerung verbunden, fördert das Wohlbefinden und reduziert die Augenbelastung. Daher ist es eine gute Wahl für Bereiche, in denen längere Konzentration oder Patientenbeobachtung erforderlich ist.

Warme, gedeckte Naturtöne und sanfte Grautöne schaffen eine behagliche und einladende Atmosphäre. Diese Erdtöne bilden einen unaufdringlichen Hintergrund für kräftigere Akzente und tragen dazu bei, dass ein Raum wohnlicher und nicht klinisch wirkt. Dies ist besonders wichtig in ambulanten Kliniken, wo es darum geht, die oft mit Krankenhäusern verbundene Sterilität zu reduzieren.
Farbpaletten, die von natürlichen Elementen inspiriert sind – wie sanftes Himmelblau, Blattgrün, Steingrau und warme Holzbrauntöne – können eine biophile Wirkung erzielen. Die Farben pearl oder birch oder sand (siehe auch: skai® Tovega (PDF-Datei) ) sind perfekte Beispiele dafür, wie Designer die Schönheit der Natur in klinische Räume integrieren können.

Die Verwendung dieser Farbpaletten trägt dazu bei, die Verbindung zwischen Menschen und Natur wiederherzustellen, was nachweislich Stress reduziert und den Heilungsprozess fördert. In Kombination mit natürlichem Licht und Materialien wie Holz oder Stein können naturnahe Farben selbst kleine Untersuchungsräume in einladende Wohlfühloasen verwandeln.
Die Verwendung unterschiedlicher Farbzonen zur Kennzeichnung von Abteilungen, Wegen oder funktionsspezifischen Bereichen (z. B. Pädiatrie vs. Onkologie) erleichtert Patienten die Orientierung in komplexen Einrichtungen. Diese Technik reduziert Verwirrung und Ängste, insbesondere bei älteren Patienten oder solchen, die mit medizinischen Umgebungen nicht vertraut sind. Damit die Farbzonierung jedoch effektiv ist, muss sie intuitiv, einheitlich und mit gut lesbarer Beschilderung und Beleuchtung abgestimmt sein.
Akzente in kräftigeren Farben – wie etwa fröhlichem Gelb oder Orange – können belebend und erfrischend wirken, ohne dabei zu erdrücken. Sie könnten z.B. in onkologischen Therapieräumen, Infusions-Ambulanzen oder Rheumatologischen Tageskliniken gezielt eingesetzt werden. Gezielt gewählt, können diese Akzentfarben die Aufmerksamkeit und positive Stimmung fördern, ohne die insgesamt beruhigende Atmosphäre des Raumes zu beeinträchtigen.
Obwohl Sauberkeit im Gesundheitswesen oberste Priorität hat, können sterile, weiße Umgebungen kalt, unpersönlich und beunruhigend wirken. Der übermäßige Einsatz von Weiß und nüchternen, neutralen Farben kann bei Patienten ein Gefühl der Ausgesetztheit oder des Unbehagens hervorrufen. Zudem kann es zu Lichtreflexionen kommen, die insbesondere in Behandlungsräumen zu Augenbelastung oder -ermüdung führen.

Die Farbwahl muss der Funktion eines Raumes entsprechen. Eine kühle Graupalette mag für einen OP-Saal ideal sein, wirkt aber zum Bespiel in einer pädiatrischen Einrichtung zu düster. Ebenso können grelle Farben in einer Einrichtung für psychische Gesundheit überreizend oder beunruhigend wirken. Wenn sich Designer zu sehr auf Modefarben oder Ästhetik konzentrieren, ohne die Verhaltenspsychologie zu berücksichtigen, kann das Ergebnis eine unharmonische und ineffektive Umgebung sein.
Zudem kann sich die Nichtbeachtung kultureller und individueller Unterschiede in der Designphase nachteilig auf Patienten auswirken. Farben haben je nach Kultur und Altersgruppe unterschiedliche Bedeutungen. Während Weiß beispielsweise in westlichen Kulturen Reinheit symbolisiert, kann es in anderen Kulturen mit Trauer assoziiert werden. Designer sollten sich der demografischen Merkmale und der kulturellen Vielfalt ihrer Nutzergruppe bewusst sein und Annahmen über Farbpräferenzen oder -bedeutungen vermeiden.
Farben sollten stets im Kontext eingesetzt werden, denn Farbe allein reicht nicht aus, um eine heilsame Umgebung zu schaffen. Beleuchtung, Raumaufteilung, Texturen, Akustik und Sauberkeit beeinflussen maßgeblich, wie Farben wahrgenommen und empfunden werden. So kann beispielsweise selbst eine gut gewählte Farbpalette in einem fensterlosen Raum mit grellem Neonlicht bedrückend wirken. Die Integration der Farbauswahl in ein ganzheitliches Gestaltungskonzept ist daher unerlässlich.
In einer Gesundheitseinrichtung erfüllen verschiedene Bereiche unterschiedliche emotionale und funktionale Rollen, und die Farbwahl sollte diese Unterschiede widerspiegeln.
Farbe ist mehr als nur Dekoration – sie ist ein Gestaltungsmittel, das Verhalten, Emotionen und Erfahrungen im Gesundheitswesen unmittelbar beeinflusst. Richtig eingesetzt, fördert sie die Heilung, erhöht den Komfort und macht Gesundheitsräume übersichtlicher und menschlicher. Wird Farbe jedoch unbedacht verwendet, kann sie all diese Ziele untergraben.

Durch die Anwendung von Farbpsychologie in Verbindung mit Empathie, Strategie und evidenzbasierten Gestaltungsprinzipien können Gesundheitseinrichtungen nicht nur funktionaler, sondern auch deutlich menschlicher gestaltet werden.
Wenn Ihre Einrichtung einen Umbau oder Neubau plant, sollten Sie mit Designern aus dem Gesundheitswesen zusammenarbeiten, die die Feinheiten der Farbgestaltung in klinischen Umgebungen verstehen. Dies ist eine der einfachsten – und wirkungsvollsten – Methoden, um die Behandlungsergebnisse und die Patientenerfahrung insgesamt zu verbessern.
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